| Zwischenmoor/Niedermoor |
Torfmoose - ein Winzling als Baumeister
Wir stehen hier zwischen zwei ehemaligen Torfstichen. Nach Beendigung des Torfabbaus
haben sich die Mulden wieder mit Wasser gefüllt. Die Verlandung der Tümpel ist bereits deutlich fortgeschritten.
Mit seiner hellgrünen Farbe fällt uns der von den Rändern vordringende Torfmoos-Teppich sofort ins Auge.
Als Hauptbestandteil von Zwischen- und Hochmooren ist das Torfmoos hervorragend an die extremen Bedingungen
dieser Standorte angepasst. Vor allem drei Eigenschaften verschaffen dem hochspezialisierten Winzling - von
dem es in Deutschland mehr als 30 unterschiedliche Vertreter gibt (auch gelbbraune bis rote Formen) - Konkurrenzvorteile:
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Torfmoose nehmen selbst geringste Mengen Nährsalze auf und geben im Gegenzug Wasserstoffionen
an die Umgebung ab, die für die zunehmend saure und damit für andere Pflanzen immer lebensfeindlichere Reatktion des
Wassers verantwortlich sind. Konkurrenten werden im Wuchs gehindert.
Torfmoose wachsen mit ihrer schopfartigen Spross-Spitze praktisch grenzenlos und sterben an der
Basis wegen Luftabschluss wieder ab. Der nur unvollständige Abbau der Pflanzenteile lässt immer mächtigere
Torflager entstehen, die durch immer neue Torfmoosjahrgänge nach und nach zusammengepresst werden.
Insgesamt beträgt das Höhenwachstum eines intakten Moores etwa 0,5 - 1,5 mm pro Jahr, d. h. 1 m Torf braucht
zu seiner Entstehung etwa 1.000 Jahre.
Torfmoose sind in der Lage, das 30-fache ihres Eigengewichts an Wasser zu speichern. Im Gegensatz
zu höheren Pflanzen besitzen sie keine Saugwurzeln, sondern nehmen die Feuchtigkeit direkt mit ihren
Blättern auf. |
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Nur Überlebenskünstler haben eine Chance
Wollen andere Pflanzen zwischen den Torfmoospolstern gedeihen, müssen sie
zur Nährstoffbeschaffung spezielle Tricks anwenden. Eine besondere Perfektion hat dabei der Sonnentau
entwickelt. Das kleine Pflänzchen mit seinen unscheinbaren, weißen Blüten gehört zur Gruppe der
fleischfressenden Pflanzen. Die Blätter tragen auf kleinen Stielchen zahlreiche klebrige Verdauungsdrüsen.
Gerät ein Insekt in diese roten Klebefallen, wird es von den Drüsenhaaren umschlossen und fast vollständig verdaut.
Auf diese Weise deckt der Sonnentau einen Teil seines Stickstoffbedarfs aus dem Eiweißgehalt der
Beutetiere. Bei genauerem Hinsehen können Sie den Lebenskünstler im Torfmoos-Teppich direkt vor
Ihnen entdecken. Bitte nicht entfernen! Diese Pflanze gedeiht nur im Moor!
Mit seinen kleinen, länglichen Blättchen versteckt sich hier noch ein weiterer charakteritischer
Vertreter der Zwischenmoore, die Moosbeere. Der kriechende Zwergstrauch gehört zur Familie der Heidekrautgewächse,
die auf lokal trockeneren Stellen im Moor gedeihen. Die Moosbeere hat sich ebenfalls an die schwierigen
Lebensbedingungen angepasst. Das Problem der Nährstoffarmut löst sie durch Zusammenleben der
Wurzeln mit einem Pilz (sog. Mykorrhiza). Diese Symbiose ermöglicht ihr die effiziente Aufnahme
der spärlichen Bodennährstoffe.
Mehr dem Niedermoorbereich zuzurechnen sind die Pflanzenbestände im Hintergrund. Im Sommer entzückt
hier das Wollgras mit seinen weißen, nickenden Wollschöpfen. Wie viele Moorgräser und Seggen gehört es zur
Familie der Sauergräser. Auch die Flatterbinse ist reichlich vertreten. Bunte Farbtupfer im Frühjahr und
Frühsommer setzen vor allem Fieberklee und Moorveilchen, später auch das besonders im verlandeten,
kleineren Torfstich hinter uns üppig wuchernde Sumpf-Blutauge. |