zurück zur Übersicht


Torfstich
Torfnutzung hat Tradition

Seit ca. 4.000 Jahren unterliegen Moorflächen in Mitteleuropa einer mehr oder minder intensiven Nutzung. Bereits seit Beginn der Bronzezeit erfolgte Brenntorfgewinnung. Luftgetrocknete, ziegelförmige Torfstücke bildeten eine Grundvoraussetzung für die Kupfer- und Zinnschmelze zur Bronzeherstellung.

Die Torfnutzung in großem Umfang setzte sich aber erst mit der Holzverknappung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch, bis sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Kohlefeuerung allmählich abgelöst wurde.

Im Kulzer Moos reicht die Torfgewinnung mindestens bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Bereits 1868 wurde die durchschnittlich 3-4 m mächtige Torfdecke auf einer Fläche von ca. 198 Tagwerk (66 ha) genutzt, vorzugsweise in den Monaten Mai bis Juli. Im August erfolgte mit Ochsenkarren der Abtransport. Hierzu wurden jene Wege benutzt, die uns heute als Lehrpfad dienen. In manchen Jahren haben bis zu 200 Menschen im Moor gearbeitet.

Die heute verfallene Ziegelei am Nordrand des Kulzer Mooses nahm ihren Betrieb etwa um 1900 auf. Bei der Ziegelherstellung wurde auch Brenntorf aus dem Moor gefeuert. Nach dem 2. Weltkrieg musste sie wegen Unrentabilität aufgegeben weren. Anfang der 60er Jahre endete schließlich auch die Torfnutzung im Gebiet.


Torfstechen war Knochenarbeit

Dem Handtorfstich ging eine weitläufige Entwässerung des Gebietes durch ein verzweigtes Grabensystem voran. Zunächst musste die nicht nutzbare, stark durchwurzelte Deckschicht abgehoben werden. Sie fand als "Bunkerde" zur Verfüllung bereits ausgebeuteter Torfstiche Verwendung. Jetzt erst konnte der anstehene Torf gestochen bzw. bei zu flüssiger Form in Holzrahmen "gemodelt" werden. Dei Abtorfung vorher geräumter, durch Zwischendämme abgetrennter Flächen erfolgte immer Richtung Erschließungsweg, in dessen Nähe sich Lagerplatz und Torfdarre befanden.

Rechts von uns sehen wir einen solchen Ort zum Trocknen der Torfziegel. Die leicht gewölbte Form rührt von Verarbeitungsresten bzw. zerfallenen Torfstücken her. Diese wurden zu Stapeln aufgestockt, wobei sich jeweils nur die Enden berührten, um eine möglichst effiziente Durchlüftung zu gewährleisten. Gelegentlich war auch ein Umschichten (Ringeln) notwendig.

Wahrscheinlich auf Grund umfangreicher Einträge saurer Wässer während der Torflagerung ist die gesamte Lagerfläche bis heute unbewachsen.



Handtorfstich während des Abbaus
Handtorfstich nach Abbauende



Umweltschutz durch Torfverzicht

Auch heute ncoh werden jährlich mehr als 11 Mio. m³ Torf abgebaut, nun jedoch fast ausschließlich maschinell mit modernen Stechapparaten oder Fräsen. Als Lieferant organischer Substanz zur Bodenverbesserung sind Moorsubstrate vor allem im Gartenbau leider nach wie vor sehr gefragt. Die gleichwertige Verwendung von Kompost ist ein aktiver Beitrag zur Moorerhaltung, der auch von jedem Gärtner geleistet werden sollte. Jeder, der einen Ballen Torf kauf, trägt zur Vernichtung einer der wertvollsten und seltensten Lebensräume unserer Landschaft bei!!