Vielfalt auf kleinstem Raum
Im Prackendorfer und Kulzer Moos wurde erst relativ spät und wesentlich kleinflächiger Torf
abgebaut, wobei die Höhe des Dammweges etwa der ehemaligen Geländeoberkante des Moores entspricht. Auf Grund
der geringeren Eingriffe, auch hinsichtlich des Wasserhaushaltes, haben sich ausgedehnte zwischen- und
hochmoorartige Bereiche erhalten. Wassergefüllte Vertiefungen (Schlenken) wechseln sich mit herausgehobenen
Bulten ab. Besonders entlang des Hauptdammes bedinden sich - wie im Vordergrund - auch einige Moortümpel,
oder Mooraugen.
Charakteristisch für die offenen Wasserflächen ist der hochsommerliche Blütenflor des Südlichen Wasserschlauchs.
Noch interessanter als die hübsche Gelbfärbung ist seine ungewöhnliche Nahrungsbeschaffung. Wie der Sonnentau ist auch der
Wasserschlauch auf eine zusätzliche Stickstoffversorgung angewiesen. Mit Hilfe kleiner Fangblasen an den
Unterwasserblättern erbeutet er nach dem Unterdruckprinzip Wasserflöhe, Ruderfußkrebse und sonstiges
Kleingetier. Verdauungssäfte ermöglichen eine effiziente Nährstoffaufnahme.

Fangvorgang beim Wasserschlauch (10-fache Vergrößerung) |

Südlicher Wasserschlauch (Utricularia australis) Blütezeit: Juli-September |
Die aus raschwüchsigen Torfmoosen aufgebauten Bulte können ebenfalls nur von
Spezialisten bsiedelt werden. Neben Moosbeere und Besenheide finden sich hier vor allem Rosmarinheide,
Scheidiges Wollgras und Rauschbeere. Alle genannten Arten besitzen Schutzmechanismen gegen die auf den Bulten
erhöhte Strahlungsintensität und zeitweise Trockenheit.
Mit dem Emporwachsen und damit abnehmender Durchfeuchtung geht gleichzeitig der Torfmoosanteil zurück,
bis die Höhenentwickung schließlich aufhört. Durch ungestörtes Torfmooswachstum im Bereich der besser wasserversorgten
Zwischenflächen wird der Bult allmählich wieder eingeholt und entsteht an anderer Stelle neu.
In den nassen Schlenken gedeiht neben flutenden Torfmoosen vor allem die Weiße Schnabelbinse und als
Rarität der Mittlere Sonnentau. Im Gegensatz zu seinem rundblättrigen Artverwandten erträgt er auch
eine Überflutung seiner Blattrosette.

Mittlerer Sonnenbau (Drosera intermedia) Blütezeit: Juni-August |

Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) Höhe: bis 60 cm Blütezeit: Mai Fruchtreife: August |

Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum) Höhe: bis 80 cm |

Rosmarinheide (Andromeda polifolia) Höhe: 20 cm Blütezeit: Mai |

Mittleres Torfmoos (Sphangnum magellanicum) |
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Tiere im Moor
Das Prackendorfer Moos ist wegen seiner teilweise extremen
Standortverhältnisse vergleichsweise arm an Tierarten.
Am ehesten werden Sie noch den geschickten Flug prächtig gefärbter Libellen bewundern können.
Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h sind keine Seltenheit. Mit etwas Glück wird Ihnen vielleicht
sogar ein Paarungrad vorgeführt. Im Tierreich ist diese Begattungsmethode einzigartig.

Paarungsrad bei Libellen |

Torf-Moosjungfer (Aeshna juncea) Größe: ca. 7,5 cm |
Schmetterlinge meiden hingegen blütenarme Moorflächen. Die wenigen hier
vorkommenden Arten sind ausgesprochene Spezialisten. Zu ihnen gehört der Hochmoor-Perlmuttfalter,
dessen Raupen als Futterpflanze auf die Moosbeere angewiesen sind.
Wegen des sauren Wassers sind Amphibien ebenfalls rar. Nur die etwas nährstoffreicheren Randzonen
können besiedelt werden. Hier hat der vom Aussterben bedrohte Moorfrosch sein zu Hause. Zur Paarungszeit
im Frühjahr legen die Männer ein himmelblaues Hochzeitskleid an.

Schwarzstorch (Ciconia nigra) Größe: ca. 97 cm |

Moorfrosch (Rana arvalis) Größe: 7,5 cm |

Waldschnepfe (Scolopax rusticola) Größe: bis 34 cm |
Unter den Vögeln im Prackendorfer Moos sind Baumpieper und Fitis häufig.
Auch die bodenbewohnende Waldschnepfe ist mit einzelnen Brutpaaren vertreten. Bis Mitte der 70er
jahre wurde sogar das Birkhuhn nachgewiesen. Heute geht im Moor der Schwarzstorch auf Nahrungssuche.
Gefährdung von Mooren
Von ehemals 59.000 ha Hochmoorflächen in Bayern sind heute nur noch ca. 8.000 ha (= 13 %)
erhalten. Entwässerung, Nutzungsintensivierung und Torfabbau sowie Nährstoffeintrag aus Nachbarflächen haben sie zu
echten Raritäten werden lassen. Ein zunehmendes Problem ist auch die schleichende Veränderung der Nährstoffverhältnisse
durch Stickstoffeintrag aus der Luft. 50 % der Moorbewohner stehen bereits auf den Roten Listen !!
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