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Pfeifengrasbrache/Streuwiese
Auf dem bisherigen Weg ist Ihnen sicher ein Gras besonders aufgefallen, das sich durch seine großen Horste und strahlig nach allen Richtungen abstehenden Halme hervorhebt. Hier haben wir es mit dem Pfeifengras zu tun. man findet es vor allem an wechselfeuchten Standorten, wie den alten Stichwegen oder der ehemaligen Torfdarre vor uns. Reizvoll ist vor allem seine braun-rote Herbstfärbung.

Der Name kommt daher, dass Pfeifengräser auf Grund ihrer langen und bis fast zur Wurzelbasis kntoenfreien Halme gerne zum Reinigen der früher beliebten, langen Pfeifen verwendet wurden. Auch zu Besen sind die herbstlich harten, widerstandsfähigen Stoppeln verarbeitet worden.

Wegen seiner beträchtlichen Konkurrenzkraft duldet das Gras in Brachestadien kaum andere Begleiter neben sich. Vereinzelt können sich mit der Besenheide und der Blutwurz - der Name des alten Hausmittels stammt vom rötlichen Wurzelsaft beim Auskochen - zwei Arten hinzugesellen, die ebenfalls in eher trockenen Moorbereichen vorkommen.



Blutwurz
(Potentilla erecta)
Höhe: bis 30 cm
Blütezeit: Mai-August

Lungenenzian
(Gentiana pneumonanthe)
Höhe: 15 - 40 cm
Blütezeit: Juli-September

Besenheide
(Calluna vulgaris)
Höhe: bis 30 cm
Blütezeit: Juli-September


Dei freie Fläche im Vordergrund wurde nach Beendigung der Torflagerung noch regelmäßig, und zwar im Herbst, gemäht. Das gewonnene Mähgut fand dann im Stall als Einstreu und Strohersatz Verwendung. Noch weitaus großflächiger wurde die Streunutzung in den besser nutzbaren - da weniger nassen Randbereichen - betrieben (Niedermoorstandorte östlich der Straße Kulz-Dautersdorf).

Die Herbstmahd ohne zusätzliche Düngung führte hier zu einer fortschreitenden Nährstoffverarmung und damit zu immer ertragsärmeren, aber blumenreichen Wiesen. Das Rot der Knabenkräuter wird dabei abgelöst vom Gelb der Schwarzwurzel und Arnika; spät im Jahr entfalten Lungenenzian, Teufelsabbiss und Heilziest ihre Blütenköpfe.

Wie diese Arten ist auch das Pfeifengras an den späten Schnitt angepasst. Die Nährstoffe werden schon im Sommer in oberflächennahe bzw. unterirdische Organe zurückverlagert, fallen also der Herbstmahd nicht zum Opfer. Im folgenden Jahr kann der Nährstoffvorrat dann ohne Verluste wieder mobilisiert werden.




Breitblättriges Knabenkraut
(Cactylorhiza majalis)
Höhe: 15 - 40 cm
Blütezeit: Mai-Juni

Niedrige Schwarzwurzel
(Scorzonera humilis)
Höhe: 10-40 cm
Blütezeit: Mai-Juni

Gewöhnlicher Teufelsabbiss
(Succisa pratensis)
Höhe: ca. 30 cm
Blütezeit: Juni-September

Großer Wiesenknopf
(Sanguisorba officinalis)
Höhe: 30-100 cm
Blütezeit: Juni-September

Heilziest
(Stachys officinalis)
Höhe: 20-70 cm
Blütezeit: Juni-August


Ein interessaner Tagfalter der Pfeifengraswiesen ist der Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Er besticht durch seine besondere Fortpflanzungsbiologie. Nach dem Schlüpfen bohren sich die kleinen Raupen in Blütenknospen des Großen Wiesenknopfes. 2 bis 3 Wochen später und um einiges dicker, lassen sie sich dann kurz vor der Dämmerung wieder aus der Blume fallen. Einige der Raupen werden schließlich von Ameisen gefunden, in deren Nest getragen und wie Eigenbrut behandelt. Nach der Verpuppung schlüpfen im Juli die fertigen Schmetterlinge.


Wiesenknopf-Ameisenbläuling
(Maculinea nausithous)
Größe: ca. 3 cm

Pfeiengras
(Molinia caerulea)
Höhe: bis 200 cm

Arnika
(Arnica montana)
Höhe: ca. 40 cm
Blütezeit: Juli-August


Im "Prackendorfer und Kulzer Moos" sind artenreiche Streuwiesen nur noch vereinzelt und sehr kleinflächig zu finden. Für den Artenschutz haben sie herausragende Bedeutung. Der größte Teil ist aber durch Düngung heute in produktive Mehrschnittwiesen überführt worden. Pflegemaßnahmen sollen helfen, die letzten Reste zu erhalten.