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Moor ist nicht gleich Moor
Seit dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10 000 Jahren sind Moore überall dort entstanden, wo die Zersetzung abgestorbener Pflanzenteile aus Mangel an Sauerstoff stark gehemmt war. Im Gegensatz zu anderen Lebensräumen erzeugen Moore dadurch mehr Biomasse als abgebaut wird. Sichtbar wird diese "Überproduktion" an immer mächtigeren Torfschichten, verbunden mit einer teilweisen Aufwölbung des Moorkörpers.

(1) Stillgewässer
(2) Flach-/Niedermoor
(3) Zwischenmoor
(4) Hochmoor


Charakteristisch für Moore sind extreme Standortverhältnisse:

  • dauernde Vernässung der Bodenschichten bei gleichzeitigem Luftmangel
  • saures Bodenwasser (niedriger pH-Wert) und niedrige Bodentemperaturen
  • Nährstoffarmut und starke Temperaturdifferenzen.

    Nur speziell angepasste Lebensgemeinschaften aus robusten Spezialisten können unter diesen harten Bedingungen überdauern. Einige dieser Überlebenskünstler werden Ihnen später begegnen.


    Wie entstehen Moore?

    Ein großer Teil unserer heimischen Moore ist aus Seen (1) entstanden. Von der Verlandung über eine Sumpflandschaft bis hin zum Moor vergehen dabei einige hundert bis mehrere tausend Jahre.

    Erstes Zwischenstadium auf diesem Weg ist die Bildung eines Flach- oder Niedermoores (2). Ausgedehnte Schilfbereiche sowie Seggen, Binsen und krautige Pflanzen dominieren. Die Nährstoffversorgung ist noch gut, das Pflanzenwachstum und die Artenvielfalt üppig.

    In den ständig durchfeuchteten Beständen breiten sich nach und nach Torfmoose aus. Unter Luftabschluss entstehen ausgeprägte Torfschichten. Nur tief wurzelnde Pflanzen haben noch Kontakt zum Grundwasser. Ein sogenanntes Zwischenmoor (3) ist entstanden, Nährstoffgehalt und pH-Wert sinken rapide.

    Mit dem weiteren, uhrglasförmigen Emporwachsen der Mooroberfläche wird die Verbindung zum Grundwasser schließlich vollständig unterbrochen. Die Wasserversorgung erfolgt fortan nur noch durch das fast nährstofffreie Regenwasser. Nur ganz wenige Spezialisten können in solchen Hochmooren (4) überleben.

    Auch das "Prackendorfer und Kulzer Moos" hat seinen Ursprung wahrscheinlich in einer offenen, nicht sehr tiefen Wasserfläche, die wegen ihrer Muldenlage und wasserstauender Schichten im Untergrund allmählich verlandete. Alle Moortypen sind hier vertreten.

    Abhängig vom Nährstoff- und Wassergehalt des Bodens sowie seiner nutzungsbedingten Vergangenheit findet man deshalb ganz unterschiedliche Vegetationsformen. Offene Bereiche mit wassergefüllten Vertiefungen und herausspitzenden Torfmoospolstern wechseln sich ab mit dichten Moorwäldern, bunte Wiesenflächen werden abgelöst von artenreichen Magerrasen oder Staudenfluren.


    Welche Bedeutung hat ein Moor?

    Moorlandschaften gehören heute zu den seltensten und wertvollsten Landschaftselementen. Sie erfüllen zahlreiche Funktionen im Naturhaushalt und haben auch für die Erforschung der Erdgeschichte große Bedeutung. Insbesondere zeichnen sich Moore aus als

  • Wasserspeicher
  • Lebnsraum hochangepasster Tier- und Plfanzenarten
       (einige Eiszeitrelikte konnten nur in Mooren überdauern)
  • kleinklimatische Ausgleichsflächen
  • Brennstofflieferant
  • wertvolle Zeugen der Vergangenheit
       (Konservierung von alten Kulturgegenständen u. Pflanzenresten
       der letzten 4000 - 5000 Jahre)

    Damit sind auch Rückschlüsse auf das jeweils herrschende Klima sowie die Auswirkungen des wirtschaftenden Menschen auf die Planzendecke möglich.