Streuobstwiesen
Mit Obsthochstämmen bestandenes, extensives Grünland wird als Streuobstwiese bezeichnet. Streuobstwiesen werden maximal 2mal/Jahr gemäht,
nicht gedüngt, nicht gespritzt; ein Baumschnitt wird nur bei Bedarf in größeren Abständen durchgeführt. Daher liefern Streuobstwiesen
oft guten und schmackhaften Ertrag für Obstsäfte, zum Kochen und Backen.
Die Vielfalt der gepflanzten Obstsorten und -arten ermöglicht auch vielfältige Nutzungen.

bitte anklicken!
Die Obstbäume blühen, beleben und prägen die Landschaft und besitzen daher einen hohen Erholungs- und
Freizeitwert für den Menschen. Mit zunehmendem Alter, wenn sich auf Grund von absterbenden Ästen und
Stämmen Baumhöhlen bilden, wird auch ihre Bedeutung für die Tierwelt imm höher: Seltene Vogelarten können
Streuobstwiesen besiedeln, wie Gartenrotschwanz, Wendehals, Kleinspecht, Grünspecht oder viele Insektenarten
wie Wildbienen, Schwebfliegen, seltene Käferarten und viele Gegenspieler von sog. Schadinsekten
(biologische Schädlingsbekämpfung).

bitte anklicken!
Streuobstreihen
Streuobstreihen und Streuobstalleen waren früher weit verbreitet und haben manche Landschaften geprägt und bestimmt. Der für die
Versorgung damals notwendige Straßenobstanbau ist durch den Ausbau fast aller Straßen verschwunden. Obstanbau an vielbefahrenen Straßen
ist heute wegen der Schadstoffbelastungen nicht mehr sinnvoll.
Dagegen sollten an Flurwegen und wenig befahrenen Straßen alte Streuobstbestände erhalten und neue Hochstämme wieder gepflanzt werden.
Um ihren Bestand zu sichern, ist auf ausreichend breiten Abstand zum Ackerrand zu achten.

bitte anklicken!
Geeignet sind vor allem hochwüchsige Birnen- oder Apfelsorten wie Danziger Kantapfel, Gewürzluikenapfel, Rheinischer Bohnapfel,
Roter Eiserapfel und Nußbäume. Besonders die wenig pflegeaufwendigen Wanüsse und Mostbirnen (z. B. Schweizer Wasserbirnen, Gelbmöstler)
wachsen sehr gut und bilden im Aller markante, landschaftsbestimmende Bäume.
Neue Sorten
Neuzüchtungen, aber auch ältere, empfindliche Sorten wie der Klarapfel und Golden Delicious, bei Birnbäumen z.B. Williams Christbirne,
gedeihen zwar in klimatisch günstigen Landschaften und auf guten Böden, in der Oberpfalz, noch stärker im Vorderen Bayerischen Wald,
sind diese Sorten jedoch wenig geeignet: sie
wachsen meist nicht befriedigend,
erreichen meist nur ein geringes Alter,
sind oft baumkrebstanfällig,
setzen oft mit dem Ertrag aus und
entwickeln in der Regel kaum Aroma (Golden Delicious).

bitte anklicken!
Alte und örtliche Sorten
Die Vorzüge alter, harter Obstsorten wurden in den letzten Jahren wiederentdeckt. Viele Baumschulen bieten wieder einige dieser oft
seit Jahrhunderten bewährten alten Sorten an, auch als Hochstämme:
Purpurroter Consinot, Rheinischer Bohnpafel, Wettringer Taubenapfel oder Danziger Kantapfel, die Birnensorten Gute Graue oder
Augustbirne und die Hauszwetschge oder Große Grüne Reneclode. Sie sind an das lokale Klima und an die Böden angepaßt, ohnehin robust
und gesund, benötigen weniger Pflegeaufwand (z. B. Schnitt), keinen Pflanzenschutz und tragen trotzdem ausreichend.
Manche Apfelsorten lassen sich bis in den Juli des Folgejahres hinein lagern (z. B. Champagnerrenette, Rheinischer Bohnapfel)
oder in Erdmieten sogar bis in das übernächste Jahr (Roter Eiserapfel).
Wildobst
Alle unsere Obstsorten stammen von Wildobstbäumen ab und sind durch jahrhundertelange Auslese und Zucht zu den heutigen
edlen Obstsorten verbessert worden. Einige Wildobstarten haben auch heute noch ihre Bedeutung:

bitte anklicken!
als Äsung und Futter für Wildtiere wie Rehe und Igel, für Vögel
wie Drosseln, Stare, Kernbeißer, Seidenschwänze, viele Insektenarten usw.,
für den menschlichen Verzehr, z. B. die eßbare Vogelbeere, großfruchtige
Haselnüsse und die Früchte der Kornelkirsche. Wildobstarten, wie vor allem der
heimische Wildapfel und die Wildbirne, erfordern keine Pflege und passen gut
in die freie Landschaft.
Standortansprüche
Warme Standorte auf Kuppen und Südhängen sind für Obstanbau auch in rauhen und höheren Lagen in Mittelgebirgen noch geeignet.
Apfelsorten für Hochlagen sind z. B. Boikenapfel, Cellini, Danziger Kantapfel, Fromm´s Renette, Gelber Edelapfel, Gewürzluiken,
Rheinischer Bohnapfel, Winterrambur, Welschisner.
Die Ansprüche der einzelnen Obstarten sind oft sehr verschiedenartig:
Birnbäume lieben wärmere Standorte und vertragen oft trockenere Lagen,
Apfelbäume benötigen in der Regel etwas frischere, feuchte Böden, (Berner
Rosenapfel, Bohnapfel, Kaiser Wilhelm)
Zwetschgenbäume wachsen sowohl in tieferen als auch in höheren Lagen,
Nußbäume, Quitten, Pfirsiche (nur besonderes harte Sorten wie Roter Ellerstädter)
oder gar die bereits im Mittelalter in wärmebegünstigten Lagen angepflanzten
Speierlinge (eine Vogelbeerart, deren Früchte zum Mosten verwendet werden) oder die
Deutsche Mispel (mit großen eßbaren Früchten) benötigen geschützte, warme
Standorte an Südhängen oder im Siedlungsbereich (Frostempfindlichkeit).

bitte anklicken!
Solche Besonderheiten sollten bei der Auswahl der Obstbäume für den eigenen Garten oder für den Flurobstanbau noch stärker Berücksichtigung finden.
|